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Die seltsame Welt des King Lube III.

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Zähne zeigen


Audrey Niffenegger
Die Frau des Zeitreisenden



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25
Okt
2010

Ein endlos geflochtenes Band


»Was willst du?«, fragte der alte Mann. »Lösch meine Liebe!« Er lachte.


Ich reichte ihm eine Fotografie von ihr, eine, auf der ich sie hübsch fand, auf der sie so etwas Ländliches, Französisches hatte, wie eine junge Frau, die philosophierend zwischen den Weinbergen lebt. Ein Bild, das diese Stimmung von Baguette und Rotwein ausdrücken sollte. Keine Ahnung, warum ich ausgerechnet diese Fotografie mitgebracht hatte, denn meistens sprachen wir vom Strand und nicht von der Côte-d’Or. Der Alte betrachtete die Fotografie lange und eindringlich, dann blickte er direkt in meine Augen, intensiv und ich spürte ein kleines Stechen. Ich wusste, er sah mir in meine Seele. »So schlimm also«, sagte er schließlich und ich nickte.

»Wenn ich dir die Liebe nehme, wird ein Teil von dir sterben, weißt du das?« Ich nickte abermals. Natürlich wusste ich das. Viele behaupten, so etwas wie Seelenverwandte gäbe es nicht, aber es gibt sie. Sie war eine, unbestreitbar.
»Warum soll ich deine Liebe löschen?«
»Weil sie unsinnig ist. Wir können diese Liebe nicht leben. Wir haben beide unsere Gründe.«
»Das stimmt. Im Hier und Jetzt könnt ihr nicht zusammen sein. Kennst du das Schicksal?«
»Natürlich kenne ich das Schicksal. Es hält mich zum Narren!«
Der Alte sah mich mit zornigen funkelnden Augen an: »Weißt du wann, was, wozu gut ist? Und kannst du mit Sicherheit behaupten, Dinge würden sich so entwickeln, wie du es dir vorstellst? Kennst du alle Zusammenhänge des Lebens?«
Ich verstummte.

»Ich möchte es nicht mehr. Es kostet zu viele Tränen, zu viel Schmerz. Ich habe genug Schmerz gehabt. Nicht nur der Liebe wegen, das stimmt.«
»Eine Liebe, die einmal geht, kehrt nie wieder zurück. Bist du dir dessen bewusst.« Ich schwieg. Ich war mir nicht sicher, ob dieser alte Mann, der ein Heiler der Liebe sein sollte, wirklich helfen konnte. Ich hatte mir schon so oft vorgestellt, dass die Liebe, die doch nur in unseren Köpfen existiert, ganz einfach aus den Köpfen zu entfernen sein müsste. Aber je mehr Energien ich darauf verwendete, sie mir aus dem Kopf zu denken, desto größer wurde sie.

»Es wäre schade um sie«, sagte er schließlich, »es ist keine gewöhnliche Liebe.«
Ich nickte: »Keine Liebe ist gewöhnlich. Jede Liebe ist besonders.«
Der alte Mann lachte: »Und unter den Besonderen, ist deine Liebe besonders besonders.«
»Ja, vielleicht, aber was bringt es? Sie bringt uns nicht weiter, sondern hält uns irgendwo gefangen.«

Er sah mich noch eine lange Zeit an. Seine Augen ruhten auf meinen. Ich versuchte hinter seinen Augen nun auch seine Seele zu entdecken, aber er ließ es nicht zu und ich schaute durch ihn hindurch.
»Es kann sein, dass es nicht funktioniert«, sagte er schließlich, »eure Liebe ist ein endlos geflochtenes Band.«
Ich schaffte es gerade noch meine Tränen zu unterdrücken und biss die Zähne zusammen.

Dann legte er mir seine warme Hand auf die Augen. Zuerst sah ich nur Konturen, doch nach und nach verdichtete sich ihr Bild. Sie hatte ein blütenweißes Nachthemd an. Ihre Arme waren etwas vom Körper gespreizt, die Handflächen mir offen entgegen. Sie hatte die Augen geschlossen und sah in den Himmel. Sie sah aus, wie ein Engel. Zwei Bluttropfen liefen an ihren Schenkeln herab und verschwanden hinter ihren Fußknöcheln. Ich hörte das Geräusch, wie wenn jemand versucht möglichst leise ein weißes Blatt Papier zu zerreißen. Ganz sacht. Kein beschriebenes, sondern leeres, weißes Papier. Dann schob er seine Hand nach oben und öffnete meine Augenlider. Ich sah einen alten Mann vor mir, der mich anlächelte. Er ergriff meine Hand und ich spürte, wie seine innere Ruhe in meinen Körper floss. Dann reichte er mir eine Fotografie, die er in seiner anderen Hand hielt. Ich betrachtete sie sehr lange und intensiv, dann lächelte ich zurück und fragte: »Wer ist das?«
romeomikezulu - 25. Okt, 16:22

Mein Gott.
Das ist er. MEIN Wunschtraum.

Vielleicht Ihre beste Geschichte ever, King.
Es fällt mir schwer, zu tippen.

lube - 25. Okt, 16:59

ich freue mich außerordentlich über ihre worte, meister, hoffe dennoch innbrünstig, noch nicht meinen zenit überschritten zu haben. ;)
SehnsuchtistmeineFarbe - 25. Okt, 17:18

schön geschrieben,

schön erzählt. es ist schon kurios mit der liebe, isn't it? so viele eifern ihr nach und finden sie nicht, andere finden sie und wollen sie nicht. und wenn sie mal da ist, (und sie kommt und geht, wann immer sie will), dann bleibt sie eine weile. und das nicht mehr wollen hilft da auch nicht wirklich.

es gibt einen film, der diese idee verfolgt. er heißt: "vergiss mein nicht" mit jim carrey und kate winslet.

http://www.youtube.com/watch?v=JHRRk_0Gi1I

empfehlenswert!

lube - 25. Okt, 17:26

wirklich ein toller film. danke für den hinweis. ;)
oberansicht - 25. Okt, 18:49

ääähm ..... kann ich bitte die adresse des alten mannes haben?

lube - 25. Okt, 20:51

die hätte ich auch gerne ;)
LadylikeKandis - 25. Okt, 19:42

sehr interessant zu lesen, lube, und für einen moment erinnerte mich die gestaltung ihres textes und auch die schreibweise an einen alten freund...;-)

danke..

lube - 25. Okt, 21:00

danke schön. ein alter freund? ein guter moment eine freundschaft aufzufrischen ;)
LadylikeKandis - 25. Okt, 21:02

ich trau mich nicht...hab mich ne ewigkeit nicht gemeldet;-))
lube - 25. Okt, 22:25

ist doch eigentlich schade, oder?
ich mein, so freundschaften laufen einem ja nicht täglich neu überm weg.... ;)
la-mamma - 27. Okt, 20:34

traurig. aber schön.

romeomikezulu - 27. Okt, 22:57

So, jetzt konnte ich nicht mehr anders.
Jetzt hab ich's rauskopiert und als word-Dokument bei mir gespeichert.

Aus lauter Angst, die Geschichte zu vergessen.

lube - 28. Okt, 08:16

vielen dank, meister, sie machen mich sehr stolz.

ich habe einen netten kommentar zu diesem text gelesen, den ich gerne weitergeben möchte:


"Ich betrachtete sie sehr lange und intensiv, dann lächelte ich zurück und fragte: »Wer ist das?«

Für mich ein Zeichen dafür, dass die Liebe nicht gelöscht wurde. Nur die Erinnerung.
rinpotsche - 29. Okt, 16:58

Ich wusste, dass außer mir noch jemand davon weiß.

Gast (Gast) - 2. Mai, 01:40

Entschuldigen Sie den (vielleicht schon zu) späten Kommentar, ich habe Ihre Seite heute erst wiedergefunden. Habe wahrscheinlich schon Hildesheimer :-).. die Vorstufe von Alzheimer. Mich würde interessieren wieso das Blut ...und ist ein "weißer Engel" leichter zu vergessen? Eben weil es Ihn nicht wirklich gibt oder er vielleicht nicht in diese Welt passt?

lube - 2. Mai, 09:08

Die Geschichte ist schon mehr als fünf Jahre alt und da fällt es schwer zu rekonstruieren unter welchen Einflüssen, Gedanken, Gefühlen sie geschrieben wurde. Generell kann ich aber sagen, dass ein weißer Engel für Unschuld, Unbeflecktheit, Unberührtheit etc. steht und Blut genau das zunichte macht.

Was bedeutet es, dass sie die Seite "wiedergefunden" haben? Waren sie schon mal hier? Kennen wir uns? Wie sind sie wieder dazugestoßen? ;)
Gast (Gast) - 2. Mai, 16:25

Nur beim surfen war ich schon mal vor einiger Zeit auf Ihrer Seite gelandet. Ich dachte die Geschichte wäre noch nicht so alt, wenn Sie sie erst letztes Jahr geschrieben haben und offensichtlich schien sie ja noch jemand zu kennen...
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Alle Geschichten von King Lube III. sind erstunken und erlogen, jedenfalls das Meiste oder das ein oder andere, also es gibt schon ein bisschen, das nicht ganz der Realität entspricht. Jedenfalls distanziert sich King Lube III. ausdrücklich von seinem Protagonisten und seinem fiesen Charakter. Mit so einem will er nichts zu tun haben. Mit der Bitte um Beachtung.

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