Ich mag keine Partys
Es ist Freitagabend und ich bin eingeladen. Den Anlass habe ich schon wieder vergessen. Ich mag keine Partys. Ich komme bewusst drei Stunden zu spät, das gibt mir das Gefühl schon drei Stunden glücklich überstanden zu haben. Außerdem kann ich sicher sein, dass ein eventuell vorhandenes Buffet schon eröffnet ist. Wobei es um diese Uhrzeit auch schon geplündert sein könnte.
Die Türe steht offen, ich trete ein. Kurzer Blick über die Menschenmenge, aber vom Gastgeber nichts zu sehen. Egal. Erst mal was essen. Essen ist ein Pluspunkt für Partys. Ich habe gerade zwei Teller randvoll mit Leckereien angehäuft und suche nach einer aschenbecherfreien Ablage (ich mag es nicht so gerne, wenn Raucher gedankenverloren auf mein Essen aschen), da stellt sich mir ein blondgelocktes 1,50m Wesen in den Weg, grinst breit, streckt mir eine Hand entgegen und quietscht: „Hey, ich bin die Michaela.“
Verzweifelt schaue ich nach links und rechts, um meine Teller abzustellen, geht aber nicht. „Michaela Schaffrath?“, frage ich. „Wer?“ - „Egal.“
Ich steuer die Terrasse an, in der Hoffnung auf ein stilles Plätzchen zum Schlemmen. Unterwegs glaube ich den Gastgeber zu sehen, aber als ich die Hand zum Gruß hebe, rollen die ersten Fleischbällchen vom Teller und ich lasse es bleiben. Die Terrasse ist vollständig in Raucherhand. Ich biege rechts ab und lasse mich auf der Wiese nieder, links und rechts die Köstlichkeiten. „Darf ich mich zu dir setzen?“ Erschrocken zucke ich zusammen und ehe ich eine Antwort gebe, sitzt Michaela bereits neben mir, haarscharf an meinen Tellern vorbei. Sie hat sich auch etwas zu Essen mitgebracht: Ein bisschen Rohkost. Während sie knabbert und ich schlinge und stopfe, beginnt sie zu erzählen. „Ich kenne hier auch keinen.“ Ich sehe sie kurz fragend an und esse weiter. „Naja, das sind wohl alles Leute aus der Uni. Bei mir hat es damals einfach nicht gereicht. Aber jetzt mach ich Einzelhandel und ich will mir eine Wohnung kaufen, in der Molkestraße. Kennste die?“ Ich schüttle den Kopf.
„Die ist in der Nähe vom Polizeipräsidium.“
„Na super.“, presse ich zwischen meinen vollen Backen heraus.
„Für eine alleinstehende Frau ist es gefährlich nachts.“
„Hm, ja, interessant.“
Ich sehe sie mir nochmal an und gebe ihr sechs von zehn Punkten, drücke ihr die leergefressenen Teller in die Hand: „Kannste die gleich mitnehmen? Ich geh was trinken.“
Sie lächelt. „Bringste mir ein Wasser mit?“
Aber da bin ich schon weg. Wasser gibt’s auch im Teich.
Ich brauche eine Weile, bis ich hinter der Theke bin. Irgendjemand macht auf Obermackermixer und ist beleidigt, weil ich mir selbst was zusammenschütte. Ich sehe, wie es in seinem Kopf rattert, wie er mich auf schnellstem Wege wieder los wird, aber ich gehe von selbst, mit drei ultracoolen Cocktails, Hauptsache es knallt. Im Gedränge komme ich kaum vorwärts und plötzlich falle ich mit meinen Getränken in einen Ausschnitt.
„Hey, danke.“, ruft es von oben und eine Hand grabscht nach einem meiner Gläser. Ich gucke zur Decke und sehe Kinn und Nase und schulterlange blonde Haare.
„Tschuldigung.“, murmel ich und versuche meine drei Gläser zu sichern, aber Nase hat die bessere Position und kann mir eins abzwacken.
„Uh, was ist das denn für ein Gebräu?“, tönt es von oben.
Hinter mir tut sich eine Lücke auf und ich weiche zurück. Dass es auf Partys was zu saufen gibt, finde ich gut. Ein Pluspunkt für Partys.
Die zwei Meter Frau stößt mit mir an: „Na egal. Sibylle.“
Egal gefällt mir: „Sibylle Rauch?“ – „Wie? Rauchen? Nee, hab ich mit aufgehört. Vor drei Wochen. Ich war auf so einem Kurs zur Raucherentwöhnung. Voll cool und die Kasse zahlt. Voll krass.“ Voll krass, finde ich auch. „Akkupunktur, verstehste?“ Nee, tue ich nicht. Ich gebe ihr vier von zehn Punkten, ziehe aber noch mal zwei Punkte ab, weil Sibylle in Wirklichkeit Erika Roswitha heißt, dann drücke ich ihr die anderen Gläser in die Hand: „Halt mal, ich hol was zu trinken.“
„Wie? Trinken?“
Aber da bin ich auch schon weg. Ich habe im Auto noch ein Sixpack. Auf dem Weg zum Ausgang sehe ich nochmal den Gastgeber und will ihm winken. Ich reiße also meinen Arm hoch und boxe dabei eine stark angetrunkene, gediegen korpulente, dafür übertrieben geschminkte und nicht mehr ganz frisch aussehende Köchin.
„Scheiße.“, sagt sie und lässt provokativ ihr Glas fallen. „Kannste mich nach Hause bringen?“, säuselt sie augenaufschlagend.
In meinem Gesicht stehen Fragezeichen. Ich kenne die Frau überhaupt nicht. Der Gastgeber ist schon wieder verschwunden. „Achso, ja, Jana.“, lallt sie. „Jana Bach?“, frage ich. „Jaja, okay.“, sagt sie. Jana Bach finde ich gut. Jana Bach auf einer Party gefällt mir. Noch ein Pluspunkt für Partys. Klar fahre ich sie nach Hause.
Im Auto mache ich erst mal drei Dosen Bier auf. Zwei für mich und eine für Jana. Ihr dicker Bauch presst sich gegen meine Konsole. Was soll‘s, denke ich, dann kotzt sie wenigstens nicht auf meinen frischgesaugten Teppich. Jana hat die japanischen Schriftzeichen „yagi“ (Bergziege) auf dem Bauch tätowiert und ich versuche mir so eine fette Ziege auf dem Akaishi-dake vorzustellen.
„Was machsten so, ich mein beruflich?“, fragt sie und ich verschlucke mich und pruste einen Schwall Bier gegen die frischgeputzte Windschutzscheibe. Ich steige aus, gehe ums Auto, mache die Beifahrertüre auf und nicke, sie soll aussteigen.
„Hä?“, lallt Jana und versucht sich rauszurollen.
„Was solln das?“
Smalltalk ist scheiße. Ich könnte Jana erzählen, dass ich keine Menschen mag, nicht, dass ich sie hassen würde, aber ich mag sie einfach nicht. Vor Jahren hatte ich sogar richtig Angst vor Menschen, aber heute sind sie mir nur noch egal. Und am meisten mag ich Menschen nicht, wegen ihres Smalltalks, das ist mir so richtig zu wider, wie die Pest. Aber warum sollte ich ihr das erzählen, sie ist mir doch sowieso egal. Smalltalk gibt fünfzig Minuspunkte für Partys und Jana gebe ich nur einen von zehn. Es geht bergab. Zeit, nach Hause zu fahren, aber da ist sie auch schon weg.
Die Türe steht offen, ich trete ein. Kurzer Blick über die Menschenmenge, aber vom Gastgeber nichts zu sehen. Egal. Erst mal was essen. Essen ist ein Pluspunkt für Partys. Ich habe gerade zwei Teller randvoll mit Leckereien angehäuft und suche nach einer aschenbecherfreien Ablage (ich mag es nicht so gerne, wenn Raucher gedankenverloren auf mein Essen aschen), da stellt sich mir ein blondgelocktes 1,50m Wesen in den Weg, grinst breit, streckt mir eine Hand entgegen und quietscht: „Hey, ich bin die Michaela.“
Verzweifelt schaue ich nach links und rechts, um meine Teller abzustellen, geht aber nicht. „Michaela Schaffrath?“, frage ich. „Wer?“ - „Egal.“
Ich steuer die Terrasse an, in der Hoffnung auf ein stilles Plätzchen zum Schlemmen. Unterwegs glaube ich den Gastgeber zu sehen, aber als ich die Hand zum Gruß hebe, rollen die ersten Fleischbällchen vom Teller und ich lasse es bleiben. Die Terrasse ist vollständig in Raucherhand. Ich biege rechts ab und lasse mich auf der Wiese nieder, links und rechts die Köstlichkeiten. „Darf ich mich zu dir setzen?“ Erschrocken zucke ich zusammen und ehe ich eine Antwort gebe, sitzt Michaela bereits neben mir, haarscharf an meinen Tellern vorbei. Sie hat sich auch etwas zu Essen mitgebracht: Ein bisschen Rohkost. Während sie knabbert und ich schlinge und stopfe, beginnt sie zu erzählen. „Ich kenne hier auch keinen.“ Ich sehe sie kurz fragend an und esse weiter. „Naja, das sind wohl alles Leute aus der Uni. Bei mir hat es damals einfach nicht gereicht. Aber jetzt mach ich Einzelhandel und ich will mir eine Wohnung kaufen, in der Molkestraße. Kennste die?“ Ich schüttle den Kopf.
„Die ist in der Nähe vom Polizeipräsidium.“
„Na super.“, presse ich zwischen meinen vollen Backen heraus.
„Für eine alleinstehende Frau ist es gefährlich nachts.“
„Hm, ja, interessant.“
Ich sehe sie mir nochmal an und gebe ihr sechs von zehn Punkten, drücke ihr die leergefressenen Teller in die Hand: „Kannste die gleich mitnehmen? Ich geh was trinken.“
Sie lächelt. „Bringste mir ein Wasser mit?“
Aber da bin ich schon weg. Wasser gibt’s auch im Teich.
Ich brauche eine Weile, bis ich hinter der Theke bin. Irgendjemand macht auf Obermackermixer und ist beleidigt, weil ich mir selbst was zusammenschütte. Ich sehe, wie es in seinem Kopf rattert, wie er mich auf schnellstem Wege wieder los wird, aber ich gehe von selbst, mit drei ultracoolen Cocktails, Hauptsache es knallt. Im Gedränge komme ich kaum vorwärts und plötzlich falle ich mit meinen Getränken in einen Ausschnitt.
„Hey, danke.“, ruft es von oben und eine Hand grabscht nach einem meiner Gläser. Ich gucke zur Decke und sehe Kinn und Nase und schulterlange blonde Haare.
„Tschuldigung.“, murmel ich und versuche meine drei Gläser zu sichern, aber Nase hat die bessere Position und kann mir eins abzwacken.
„Uh, was ist das denn für ein Gebräu?“, tönt es von oben.
Hinter mir tut sich eine Lücke auf und ich weiche zurück. Dass es auf Partys was zu saufen gibt, finde ich gut. Ein Pluspunkt für Partys.
Die zwei Meter Frau stößt mit mir an: „Na egal. Sibylle.“
Egal gefällt mir: „Sibylle Rauch?“ – „Wie? Rauchen? Nee, hab ich mit aufgehört. Vor drei Wochen. Ich war auf so einem Kurs zur Raucherentwöhnung. Voll cool und die Kasse zahlt. Voll krass.“ Voll krass, finde ich auch. „Akkupunktur, verstehste?“ Nee, tue ich nicht. Ich gebe ihr vier von zehn Punkten, ziehe aber noch mal zwei Punkte ab, weil Sibylle in Wirklichkeit Erika Roswitha heißt, dann drücke ich ihr die anderen Gläser in die Hand: „Halt mal, ich hol was zu trinken.“
„Wie? Trinken?“
Aber da bin ich auch schon weg. Ich habe im Auto noch ein Sixpack. Auf dem Weg zum Ausgang sehe ich nochmal den Gastgeber und will ihm winken. Ich reiße also meinen Arm hoch und boxe dabei eine stark angetrunkene, gediegen korpulente, dafür übertrieben geschminkte und nicht mehr ganz frisch aussehende Köchin.
„Scheiße.“, sagt sie und lässt provokativ ihr Glas fallen. „Kannste mich nach Hause bringen?“, säuselt sie augenaufschlagend.
In meinem Gesicht stehen Fragezeichen. Ich kenne die Frau überhaupt nicht. Der Gastgeber ist schon wieder verschwunden. „Achso, ja, Jana.“, lallt sie. „Jana Bach?“, frage ich. „Jaja, okay.“, sagt sie. Jana Bach finde ich gut. Jana Bach auf einer Party gefällt mir. Noch ein Pluspunkt für Partys. Klar fahre ich sie nach Hause.
Im Auto mache ich erst mal drei Dosen Bier auf. Zwei für mich und eine für Jana. Ihr dicker Bauch presst sich gegen meine Konsole. Was soll‘s, denke ich, dann kotzt sie wenigstens nicht auf meinen frischgesaugten Teppich. Jana hat die japanischen Schriftzeichen „yagi“ (Bergziege) auf dem Bauch tätowiert und ich versuche mir so eine fette Ziege auf dem Akaishi-dake vorzustellen.
„Was machsten so, ich mein beruflich?“, fragt sie und ich verschlucke mich und pruste einen Schwall Bier gegen die frischgeputzte Windschutzscheibe. Ich steige aus, gehe ums Auto, mache die Beifahrertüre auf und nicke, sie soll aussteigen.
„Hä?“, lallt Jana und versucht sich rauszurollen.
„Was solln das?“
Smalltalk ist scheiße. Ich könnte Jana erzählen, dass ich keine Menschen mag, nicht, dass ich sie hassen würde, aber ich mag sie einfach nicht. Vor Jahren hatte ich sogar richtig Angst vor Menschen, aber heute sind sie mir nur noch egal. Und am meisten mag ich Menschen nicht, wegen ihres Smalltalks, das ist mir so richtig zu wider, wie die Pest. Aber warum sollte ich ihr das erzählen, sie ist mir doch sowieso egal. Smalltalk gibt fünfzig Minuspunkte für Partys und Jana gebe ich nur einen von zehn. Es geht bergab. Zeit, nach Hause zu fahren, aber da ist sie auch schon weg.
lube - 15. Jul, 16:35
das ganze leben besteht nur aus wiederholungen.
das ganze leben besteht nur aus wiederholungen.
das ganze leben besteht nur aus wiederholungen.
das ganze leben besteht nur aus wiederholungen.
das ganze leben besteht nur aus wiederholungen.
das ganze leben besteht nur aus wiederholungen.
Ranunkelchen - 15. Jul, 19:33
das solche netten wie du überhaupt auf partys eingeladen werden, ist schon verwunderlich...prust
rinpotsche - 15. Jul, 21:24
Das ist aber ein langer Text....ändert sich am Schluss etwas gegenüber der Aussage in der Überschrift?
lube - 15. Jul, 22:22
warum lesen sie nicht schnell den letzten satz, dann wissen sie es ;)
pathologe - 16. Jul, 08:37
Michaela
klingt nach einer verzweifelten Kurzbeinigen, der noch niemand erklärt hat, was ein Vibrator ist.
Aber wie ich herauslesen kann, müssen Sie auf Partys wohl ihre Testosterone wie englischen Bodennebel verstreuen.
Aber wie ich herauslesen kann, müssen Sie auf Partys wohl ihre Testosterone wie englischen Bodennebel verstreuen.
lube - 16. Jul, 09:32
Michaela Schaffrath ist eine ganz Nette, jedenfalls im Dschungel-Camp ;)
lube - 16. Jul, 10:13
Das letzte Bild von Michaela, bevor sie verspeist wurde
pathologe - 16. Jul, 13:49
Leider
(oder glücklicherweise?) war ich keiner der abgebildeten Teilnehmer am Wildgericht.
romeomikezulu - 17. Jul, 13:18
Als Protagonistin war Michaela S. schon zu früheren Zeiten immer etwas überbewertet, nicht erst unter 20.000 Kakerlaken liegend.
Andererseits hat der akustisch wahrnehmbare Teil ihrer Schaffenskunst die "MUTE"-Taste auf der Fernbedienung erst so richtig zum anerkannten feature gemacht. Dank sei ihr!
Andererseits hat der akustisch wahrnehmbare Teil ihrer Schaffenskunst die "MUTE"-Taste auf der Fernbedienung erst so richtig zum anerkannten feature gemacht. Dank sei ihr!
1st.note - 4. Mrz, 20:31
Feierei kann erstaunlich sinnfrei sein, aber sinnfrei ist so einiges. Sinnfreie Sinnlichkeit, Sinnfreie Sauferei, Sinnfreies Sinnieren, Sinnfreier Sellerie - also erheben wir feierlich die Gläser und zollen Tribut - der Sinnlosigkeit.
Und: Auf manchen Partys bleibt keine andere Möglichkeit, als. zu trinken.
Und: Auf manchen Partys bleibt keine andere Möglichkeit, als. zu trinken.



















Bin ich der Einzige, der beim Lesen ein deja-vu zu haben glaubt?
Doppel-post?
nö,