Liebe auf den ersten Fick oder Das Seifenmädchen
Aufgepasst: So funktioniert das mit dem One-Night-Stand!
Das war es also: Die Krönung männlicher Anmachkunst: Anbaggern – abschleppen – flachlegen – abhauen: Der One-Night-Stand. Wow! Und ich war dabei! Mittendrin! Der Held! Ich konnte es kaum fassen: Mein erster One-Night-Stand!
Als ich sie auf der Tanzfläche sah, spürte ich sofort ein Stechen und Ziehen, ein Verlangen und eine Sehnsucht, als wäre sie unerreichbar und schon längst verflossen. „Das ist sie.“, dachte ich. Da war ihr Aussehen, nicht im Sinne von Perfektion und Makellosigkeit, mehr die wundersame Komposition kleiner Fehler, ein undefinierbares Lächeln und natürlich ihre Bewegungen zur Musik. Ich sah, wie sie um eine imaginäre Person wirbelte, wie ein Geist oder ihre Seele, sie von links und rechts umgarnte, ihren Körper mit langen flatterhaften Armen von Kopf bis zu den Zehenspitzen berührte.
Eine ganze Weile starrte ich sie hypnotisiert an. Vermutlich wäre ich so zur Salzsäule erstarrt, wenn mich nicht die tanzende Masse, mit einem Schubser von links, einem Stoß von rechts, wieder in ihre rhythmischen Wellen eingesogen hätte. Ich tanzte weiter und versuchte mich zu ihr vorzuarbeiten, wollte selbst der Geist sein, der sie bezirzte. Wenn es wirklich „Liebe auf den ersten Blick“ gab, dann fühlte sich das wohl so an.
Es war wie immer: Ich zahlte die Getränke, sie redete. Wir unterhielten uns über die üblichen nichtigen Erstkontaktthemen: Wie heißt Du? Woher kommst Du? Was machst Du? Ich gebe zu, ich habe mir das ein oder andere Mal Varianten einfallen lassen. Wie wäre es denn mal mit einem spannenden Beruf oder einem aufregenden Wohnort? Aber ich besann mich immer eines besseren, schon allein um der Gefahr aus dem Wege zu gehen, mich irgendwann einmal dafür rechtfertigen zu müssen, wenn es denn ernst werden würde. Nur - in der Regel wurde es nicht ernst, ich hätte es durchaus mal riskieren können.
Ich glaubte ihr alles, hing an ihren Lippen und fühlte mich seltsamerweise leicht und unbeschwert, nicht so verkrampft, wie es manche Gespräche an sich haben, wenn man an einem Punkt ankommt, an dem man sich totgeredet hat, wo jeder händeringend nach einem Thema sucht, wo es mit jeder weiteren Minute des Schweigens unerträglicher wird, die Rückkehr zur Normalität immer schwieriger. Man hat das Gefühl, es baut sich eine Spannung auf, die man nur noch mit etwas besonders Originellem auflösen kann, keinesfalls mit Plattitüden, die wären tödlich. Am besten man ergreift die Flucht nach vorn und geht aufs Klo.
An diesem Abend flossen die Worte, die meisten von Ihr, ab und zu ein paar von mir, immer darauf bedacht keine Zäsur zu erzeugen, sie in ihrem Rhythmus lassen. Außerdem hörte ich ihr gerne zu. Wir tanzten etwas, quatschten, tranken und tanzten wieder. Ich war beschwingt und erlebte eine Verbundenheit, als würden wir uns schon eine Ewigkeit kennen. Wir kannten keine Müdigkeit, keine Langeweile, keine Pausen. So hätte es immer weiter gehen können.
"Ich habe heute sturmfreies Bett. Wollen wir gehen?". Wenn man so am Schwärmen ist, hört und sieht man Dinge, die anscheinend der Phantasie entspringen, denn es konnte wohl möglich sein, dass sie das gesagt, was ich verstanden hatte. Entsprechend erschrocken muss mein Gesichtsausdruck gewesen sein. "Keine Angst, Suzanna ist das ganze Wochenende bei ihren Eltern.", strahlte sie mich an. Suzanna war ihre WG-Genossin, mit der sie sich ein Zimmer, eine Küche, ein Bad und ein Bett teilte, soviel hatte ich schon erfahren. Also doch.
(to be continued)
Das war es also: Die Krönung männlicher Anmachkunst: Anbaggern – abschleppen – flachlegen – abhauen: Der One-Night-Stand. Wow! Und ich war dabei! Mittendrin! Der Held! Ich konnte es kaum fassen: Mein erster One-Night-Stand!
Als ich sie auf der Tanzfläche sah, spürte ich sofort ein Stechen und Ziehen, ein Verlangen und eine Sehnsucht, als wäre sie unerreichbar und schon längst verflossen. „Das ist sie.“, dachte ich. Da war ihr Aussehen, nicht im Sinne von Perfektion und Makellosigkeit, mehr die wundersame Komposition kleiner Fehler, ein undefinierbares Lächeln und natürlich ihre Bewegungen zur Musik. Ich sah, wie sie um eine imaginäre Person wirbelte, wie ein Geist oder ihre Seele, sie von links und rechts umgarnte, ihren Körper mit langen flatterhaften Armen von Kopf bis zu den Zehenspitzen berührte.
Eine ganze Weile starrte ich sie hypnotisiert an. Vermutlich wäre ich so zur Salzsäule erstarrt, wenn mich nicht die tanzende Masse, mit einem Schubser von links, einem Stoß von rechts, wieder in ihre rhythmischen Wellen eingesogen hätte. Ich tanzte weiter und versuchte mich zu ihr vorzuarbeiten, wollte selbst der Geist sein, der sie bezirzte. Wenn es wirklich „Liebe auf den ersten Blick“ gab, dann fühlte sich das wohl so an.
Es war wie immer: Ich zahlte die Getränke, sie redete. Wir unterhielten uns über die üblichen nichtigen Erstkontaktthemen: Wie heißt Du? Woher kommst Du? Was machst Du? Ich gebe zu, ich habe mir das ein oder andere Mal Varianten einfallen lassen. Wie wäre es denn mal mit einem spannenden Beruf oder einem aufregenden Wohnort? Aber ich besann mich immer eines besseren, schon allein um der Gefahr aus dem Wege zu gehen, mich irgendwann einmal dafür rechtfertigen zu müssen, wenn es denn ernst werden würde. Nur - in der Regel wurde es nicht ernst, ich hätte es durchaus mal riskieren können.
Ich glaubte ihr alles, hing an ihren Lippen und fühlte mich seltsamerweise leicht und unbeschwert, nicht so verkrampft, wie es manche Gespräche an sich haben, wenn man an einem Punkt ankommt, an dem man sich totgeredet hat, wo jeder händeringend nach einem Thema sucht, wo es mit jeder weiteren Minute des Schweigens unerträglicher wird, die Rückkehr zur Normalität immer schwieriger. Man hat das Gefühl, es baut sich eine Spannung auf, die man nur noch mit etwas besonders Originellem auflösen kann, keinesfalls mit Plattitüden, die wären tödlich. Am besten man ergreift die Flucht nach vorn und geht aufs Klo.
An diesem Abend flossen die Worte, die meisten von Ihr, ab und zu ein paar von mir, immer darauf bedacht keine Zäsur zu erzeugen, sie in ihrem Rhythmus lassen. Außerdem hörte ich ihr gerne zu. Wir tanzten etwas, quatschten, tranken und tanzten wieder. Ich war beschwingt und erlebte eine Verbundenheit, als würden wir uns schon eine Ewigkeit kennen. Wir kannten keine Müdigkeit, keine Langeweile, keine Pausen. So hätte es immer weiter gehen können.
"Ich habe heute sturmfreies Bett. Wollen wir gehen?". Wenn man so am Schwärmen ist, hört und sieht man Dinge, die anscheinend der Phantasie entspringen, denn es konnte wohl möglich sein, dass sie das gesagt, was ich verstanden hatte. Entsprechend erschrocken muss mein Gesichtsausdruck gewesen sein. "Keine Angst, Suzanna ist das ganze Wochenende bei ihren Eltern.", strahlte sie mich an. Suzanna war ihre WG-Genossin, mit der sie sich ein Zimmer, eine Küche, ein Bad und ein Bett teilte, soviel hatte ich schon erfahren. Also doch.
(to be continued)
lube - 10. Nov, 15:47 - aus der Reihe: suche verlegen Verleger - 1299 - 44 Kommentare - Kommentar verfassen

















