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Die seltsame Welt des King Lube III.

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22
Dez
2010

Weihnachten, wie jedes Jahr

jugendfrei

Kaum hatte ich die elterliche Wohnung betreten, kam mir Mutter auch schon freudestrahlend, noch mit dem Küchenmesser in der Hand, entgegengestürmt. Dabei fiel mein sorgfältig gestapelter Geschenketurm um und ich hörte die hässlichen, aber von meinen Eltern geliebten und schweineteuren, Römergläser in tausend Teile bersten.

Nachdem ich Mutter abgeschüttelt hatte, befreite ich meine klaffende Wunde unterm Rippenbogen von Mutters Kartoffelschalen und vernähte sie selbst mit sauberen zwölf Stichen. Eine Gabe, die mir mein Vater vererbt hatte: Wenn ein Mann will, kann er alles.

Ich ging ins Wohnzimmer und sah, dass ich nichts sah: „Wo ist der Weihnachtsbaum?“, schrie ich fast schon hysterisch, denn mein größtes Glück bestand seit frühster Kindheit aus der autarken Dekoration der Christtanne, für die ich in diesem Jahr eigens nach Bethlehem gereist war, um dort handgedrechselte Christbaumkügelchen aus dem Originaldung der Esel aus Jesu Krippe bei Christie’s Bait Lahm zu ersteigern.
„Vater wollte ihn gerade sägen.“, rief Mutter aus der Küche zurück, begleitet von einem Geräusch, als wollte sie einem Huhn die Gurgel umdrehen.
„Wo ist Vater jetzt?“, schrie ich noch panischer, denn mir schwante böses.

„Er macht draußen Feuer.“, kreischte Mutter zurück, gegen einen Lärm ankämpfend, der sich nach einem abgestochenen Schwein anhörte.
„Scheiße.“, dachte ich nur, hätte ich es ausgesprochen, hätte ich mir von Mutter eine gefangen. Da kennt sie nichts.

Ich eilte nach draußen, als mir meine Schwester entgegenkam. Sie kam direkt von der Arbeit und hatte wohl noch keine Zeit gehabt sich umzuziehen. Sie arbeitete als Teilzeitprostituierte auf dem Straßenstrich auf 400 Euro-Basis. Sie hielt sich für besonders clever, weil sie keine Abgaben zu entrichten hatte. Abfällig betrachtete ich ihre Dienstkleidung: „Sieht nuttig aus.“, beleidigte ich sie spontan. „Danke.“, erwiderte sie und küsste mich links und rechts auf die Wangen. Ich wischte mir irgendeinen Schmier aus dem Gesicht. „Was ist das?“, fragte ich konsterniert und begutachtete den Schleim an meinen Fingern.
„Sperma?“, grinste sie zurück. Ich würgte. Sie verschwand in die elterliche Wohnung und ich hörte Mutter freudestrahlend auf sie zustürmen. Ich zog in Erwägung meine Schwester verbluten zu lassen, aber das konnte ich nicht tun, schließlich war sie meine Schwester.

Als ich in der Küche meine Hände abwaschen wollte, stolperte ich über ein totes Schwein. „Gibt es wieder frische Würstchen zum Kartoffelsalat?“, fragte ich Mutter. Meine Schwester kreischte: „Ich bin Vegetarierin, Mutter!“
Mutter zeigte nur wortlos auf das abgemurkste Hühnchen, das zum ausbluten kopfüber an der Lampe hing. Von draußen ertönte die Motorsäge, höchste Zeit den Baum zu retten.

Im Garten wehten mir bereits dichte Rauchschwaden entgegen. „Vater“, rief ich, „Vater tu’s nicht!“. Ich hustete, kämpfte mich durch den dichten, schneidenden Qualm, immer in Richtung des lodernden Lichtes. Wieder ging die Motorsäge. Ohne weitere Beachtung stieß ich einen metallenen Kasten um. Dann packte ich Vater von hinten. „Was?“, stieß er erschrocken aus und schnellte sich um. Zum Glück hatte ich ihn fest im Griff, so dass er mich mit herumriss und nicht in zwei Teile halbierte.

„Mein Junge“, rief er freudestrahlend und versuchte sich zu mir umzudrehen, aber ich ließ nicht locker. Die Motorsäge ging wie Butter durch die Stützpfeiler der Pagode, die daraufhin der Schwerkraft nachgab und uns darunter begrub. Ich lag auf Vater, Vater auf der Säge, die Pagode auf mir, der Feuerkorb mit dreiviertel des brennenden Tannenbaums war umgestürzt, außerdem stank es bestialisch nach Benzin. Jetzt fiel es mir ein: Kanister.
Im nächsten Moment war es taghell. Eine Stichflamme und der Garten brannte lichterloh. Mein dämliche Schwester rief: „Mutter, guck, Vater macht ein Osterfeuer.“
„Wir könnten das Schwein grillen.“, rief Mutter aus der Küche und ich war mir nicht sicher, wen von uns sie meinte.
„Mutter, ich bin Vegetarierin.“, protestierte meine Schwester.
„Dann eben das Hühnchen.“
Mutter war kurz davor sauer zu werden. Ich war kurz davor eine lebendige oder besser sterbende Fackel zu werden und Vater ächzte: „Schön, dass du da bist, mein Junge.“

Das letzte was ich hörte war meine Schwester, wie sie vor Freude in die Hände klatschte: „Das ist soooo schön, Mutter. Weihnachten, wie jedes Jahr.“ und so dachte ich noch zum krönenden Abschluss: Es war kein Sperma auf ihrer Wange, man hatte ihr das Gehirn rausgevögelt.
Eugene Faust - 22. Dez, 12:19

Heißt Ihr Ich-Erzähler zufällig Klaus? ;)

lube - 22. Dez, 12:53

*lol*
ja, sehr makaber. das könnte glatt auf vater, gott sei ihm gnädig, zugetroffen haben ;)
königsblut (Gast) - 23. Dez, 08:13

königsblut

hi lube. wir haben und gestern abend im königsblut kennengelernt. geile story. werde mal deinen blog durchkämmen. frohes fest und bis bald!

lube - 23. Dez, 10:32

danke schön und wer bist du? irgendwie war es ziemlich voll ;)
Simone (Gast) - 23. Dez, 10:17

Hey Lube! Dicke Ränder unter den Augen, kalter Kaffee, abgebrannte Zigarette. So sieht mein Morgen aus!

lube - 23. Dez, 10:35

mir geht es auch ziemlich bescheiden. in meinem alter sollte man kürzer treten ;)
ichunddu (Gast) - 23. Dez, 10:30

*lol* den text habe ich gerade alle kollegen geschickt. frohe weihnachten!

lube - 23. Dez, 10:44

toll! danke! super idee! schickt es allen freunden, bekannten, verwandten, kollegen und feinden *hehe*
la-mamma - 23. Dez, 10:53

sehr anregend, ihr weihnachtsgrauen da!;-)

lube - 23. Dez, 11:05

danke schön, liebe la-mamma. die besten geschichten schreibt einfach das leben... ;)
bonanzaMARGOT - 23. Dez, 13:05

sehr turbulent!

goil (Gast) - 23. Dez, 15:32

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