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Die seltsame Welt des King Lube III.

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Hundert Jahre Einsamkeit



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Vincent


Virginie Despentes
Baise-moi - Fick mich.


Ray Bradbury
Fahrenheit 451



Zadie Smith
Zähne zeigen


Audrey Niffenegger
Die Frau des Zeitreisenden



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Paula

4
Okt
2011

Paula 39.3

Endlos zähe Sekunden verstrichen. Ich hatte keine Ahnung, was vor sich ging, hatte nur die vagen Anhaltspunkte, die mir Hulk und Vladi gaben und sie fügten sich in meinem Hirn zu einem Horrorszenario zusammen:

Was ich befürchtete, dürfte nicht sein. Weitere Sekunden vergingen, ohne, dass irgendetwas erkennbares für mich geschah, dann rief Hulk aufgeregt: „Da!“ und zeitgleich wurde die laute Musik durch menschliches Stimmengewirr abgelöst, dann folgte der erste Schrei, gefolgt von weiteren, immer mehr Schreie, noch mehr Schreie, unbeschreibliche Schreie.

29
Sep
2011

Paula 39.2

Okay, es gibt noch einen kleinen Nachschlag, obwohl dazu überhaupt keine Zeit habe :)

"Nach dem Einatmen tritt der Tod innerhalb von dreißig Sekunden ein. Für jeden nachweislich Überlebenden bekommen wir zwanzig Prozent Rückvergütung. Ich habe die Patronen im zentralen Lüftungsschacht deponiert. Sie werden mit einer ferngesteuerten Sprengkapsel gezündet und setzen den Inhaltsstoff frei. Die Klimaanlage wälzt den Rauminhalt innerhalb von drei Minuten einmal vollständig um. Nach spätestens fünf Minuten sollte sich niemand mehr regen und wir haben ein Problem weniger.“
"Gut.“, lobte Vladi, „Ich will sehen, was sich auf der Tanzfläche tut. Schalt um.“
Durch knisternde Lautsprecher ertönte das gleiche Diskogewummer, wie auf der Krankenstation, außerdem tauchten flackernde Farbblitze mein eingeschränktes Reich in unruhiges Licht.
"Und jetzt mach sie kalt.", schrie Vladi gegen den Lärm der Lautsprecher an.
"Das Fest beginnt. Drei, zwei, eins, jetzt!", bestätigte Hulk.

22
Sep
2011

Fortsetzung Paula

39

[In der 38. Folge schwelgte ich tot oder lebendig in einer erotischen Erinnerung an Silvester letzen Jahres und Paula unter der Dusche und der verhängnisvollen Zucchino. Mir war noch immer nicht klar, ob Vladi mich getötet oder nur betäubt hatte. Möglich war auch, dass ich mich mit Doktor Hulks Spritze selbst ins Jenseits befördert hatte. Vieles sprach aber für eine Betäubung, besonders der seltsame Silvestertraum mit Paula, der so nie stattgefunden hatte.]

Mit dröhnendem Kopf kam ich wieder zu Bewusstsein. Ich dachte an „Und täglich grüßt das Murmeltier.“, so oft erwachte ich aus diversen Bewusstlosigkeit. Konnte man sich das zum Hobby machen? Ich hatte eine Klassenkameradin, Karin, die gerne mal zwischendurch im Unterricht zusammensackte. Zum meinem Schädel kamen auch noch die Knochen, wie immer.

Das Rumpeln und Durchschütteln, das mir durch Mark und Bein ging, das Knattern, Brummen und Rauschen, dass mich fast taub machte, konnte nur eines bedeuten: entweder befand ich mich in einer Kohlenlore auf dem direkten Weg zur Hölle oder ich hatte eine alte, klapprige Fokker E.III aus dem ersten Weltkrieg bei meiner Reise in den Himmel erwischt.
In Wirklichkeit war ich ein, auf UPS-Idealmaße zusammengeschnürtes Päckchen auf dem Boden eines fahrenden Transits. Da ich noch nie von postmortalen Transitreisen gehört hatte, hegte ich die bescheidene Hoffnung, noch unter den Lebenden zu weilen, besser, den eingeschränkt Lebenden.

Meine unmittelbare Umgebung war in tiefstem Schwarz getaucht. Auch hier drängten sich mehrere Erklärungen auf: es war Nacht oder der Wagen hatte keine Fenster oder ich hatte mich irgendwann in meinem Leben mal über einen Mohren lustig gemacht und steckte nun in einem Tintenfass. Dann nahm ich aber doch ein schwaches Flimmern wahr und aus den Augenwinkeln sah ich eine rechteckige, dunkel schimmernde Form, wie die eines Monitors, der zwar kein Bild zeigte, aber seine Dunkelheit brav von hinter anleuchtete.

Die letzte bewusst wahrgenommene Tageszeit, ein diffuses Morgengrauen, hatte ich kurz vor dem Betreten des geheimnisvollen Pornokinos, erlebt. Seitdem befand ich mich in Kellern oder Untertage, in Lüftungsschächten und fensterlosen Behandlungszimmern. Gerne wäre ich mir noch über andere Dinge klar geworden, aber das Rütteln und Schütteln nahm zu, als flögen wir über Kopfsteinpflaster, und brachte meinen Denkapparat völlig durcheinander.

Mein Rückgrat zählte automatisch jeden Stein. Dabei stellte jeder Wirbel eine Stelle im Binärsystem da. Zuerst schmerzte die erste Wirbel, dann die zweite, dann beide, dann die dritte, dann die dritte und die erste, dann die dritte und die zweite, dann alle drei und schließlich die vierte. Verstanden?

Der Mensch besitzt 24 freie Wirbel (wir besitzen noch eine Menge mehr, aber die anderen sind verwachsen und verwurschtelt) und ich war damit in der Lage eine präzise Anzahl Pflastersteine plus Schlaglöcher bis in den Zahlenraum von sechzehn Millionen zu ermitteln.
Am Ende der Fahrt würde ich nach Beulenpest aussehen, vielleicht ließen sie mich dann aus Furcht gehen. Andererseits könnte es Mad Dimi gefallen, der ein ähnliches Hautkleid zuletzt getragen hatte.

Ich unterdrückte ein Stöhnen. Immerhin war ich nicht tot, oder Gott und der Teufel waren ausgesprochen exzentrisch bei der Ausgestaltung des Jenseits. Zeitgefühl war noch nie meine Stärke, also versuchte ich eine Korrelation zwischen der Anzahl der Kopfsteinpflasterschläge und einer Sekunde zu ermitteln. Nach meiner Steinzeitrechnung vergingen weitere zwanzig Minuten, bis der Wagen zum ersten Mal seine Geschwindigkeit drosselte.

Wir befanden uns weit außerhalb der Stadt, denn in der Innenstadt gab es keine legale Strecke über 200 m ohne rote Ampel.

Zwischen all dem Lärm lösten sich mit einem Mal dumpfe Stimmen, die klangen, als steckte mein Kopf in einer riesigen Schüssel Götterspeise. Doktor Hulk war an seiner Piepsstimme relativ einfach zu erkennen und man brauchte nicht viel Phantasie, um den russischen Akzent und den harschen Tonfall Vladis, meinem Richter, zuzuordnen: "Wie lange braucht das Gift?“

15
Mai
2011

Paula und der Zucchino

[In der 37. Folge vollbrachte ich die Glanztat, mir eine tödliche Spritze von Doktor Hulk, im wahrsten Sinne des Wortes, unter den Nagel zu reißen. Vor dem Behandlungszimmer, in dem ich, nicht artgerecht, auf einem Gynäkologenstuhl gefesselt lag, gab es ein Handgemenge. Zu meiner Verblüffung war Vladi der Überraschungsgast, der gleich noch einen toten Mann im Gepäck hatte. Vladi, nicht begeistert über unsere Zusammenkunft, schickte mich per Serum ins Reich der Träume – oder war ich gar tot?]

Paula Cover

“Last Christmas I gave you my heart, but the very next day you gave it away...” – Den vergangenen Jahreswechsel verbrachten wir in den Alpen, besser gesagt in den Walliser Alpen, zwar nicht in Saas Fee und auch nicht mit Pepsi und Shirlie, aber immerhin in einem Chalet, dass dem von George Michael und Andrew Ridgeley sehr nahe kam. Es lag abgelegen und verschlafen an einem Hang, umgeben von, unter der Schneelast ächzenden, Tannen, richtiger gesagt von Fichten, der Gemeinen Fichte. Der Vermieter hatte uns mit Sack und Pack auf einer Schneeraupe hochgefahren. Mit der lapidaren Verabschiedung, viel Spaß und brecht euch nix, die nächste Abfahrt ist in sieben Tagen und das ist eine verdammt lange Zeit, um mit einem gebrochenen Bein durchzuhalten, ließ er uns plötzlich mutterseelenallein in der Wildnis der tief eingeschneiten, verlassenen Berge zurück.

Während die Mädels ob der Parallelen zur Fernsehnwelt nicht müde wurden den Wham!-Hit rauf und runter zu singen, realisierten wir Männer mit jeder Stunde, dass das Universum ohne Strom keinen Sinn mehr hatte und völlig irrational war. Die Gewissheit, jeder mitgebrachte Akku würde über kurz oder lang das Zeitliche segnen, ohne jede Hoffnung auf Wiederbelebung, machte einigen von uns schwer zu schaffen, allen voran, meinem Freund Daniel, der sich bei seinen ganzen Geheimnissen, mal als Duracell-Häschen entpuppen würde.

Neben der urgemütlichen Hütte und der malerischen Landschaft, wurden wir auch noch mit herrlichem Wetter belohnt: Wir hätten es nicht besser antreffen können: So weit das Auge reichte, war alles in einer dicken zauberhaften Puderzuckerschicht getaucht. Am wolkenlosen, tiefblauen Himmel zwinkerte uns die strahlende Sonne entgegen und ein laues Lüftchen sorgte für genügend Zirkulation, um in unseren Hightech-Skianzügen nicht zu Grunde zu gehen.

Am Silvesternachmittag stand ein ausgedehnter Spaziergang auf dem Programm und so verließen alle nach einem kleinen Mittagssnack unsere bescheidene Unterkunft, ausgestattet mit randvoll gefüllten Thermoskannen Lebensgeister-erweckenden Jagertees (Die Österreicher ließen sich beim EU-Beitritt den Tee namensrechtlich schützen. Politisch korrekt wäre demnach die Mitnahme von Hüttentee).

Alle gingen spazieren, bis auf Paula und ich. Ich wollte die Zeit meines potentiellen Leidens verkürzen, indem ich mich nicht vor die Türe wagte und wenn, erst in den letzten Tagen, damit ich mit einem möglicherweise gebrochenem Bein nicht solange ausharren musste. Paula argumentierte, dass sie ausreichend Zeit für Körperhygiene und Abendgarderobe benötigte und somit für die kommenden vier Stunden nicht abkömmlich sei, als wäre abends nicht noch genug Zeit gewesen.

Zugegeben, das Duschen war schon sehr speziell und mit risikoreichen und abenteuerlichen Komplikationen gesegnet: der gasbetriebene Durchlauferhitzer der Warmwasseraufbereitung streikte ab und an, bevorzugt mitten im Duschvorgang und verlangte nach Betätigung eines Entsperrschalters, eine Art Reset-Taster.

Nachdem man das System einmal verstanden hatte, war niemand mehr bereit, anderen bei der eigentlich recht simplen Rettung aus der Bredouille zu helfen. Das Problem war, dass sich besagter Schalter auf einem Zwischengeschoss befand und sich entweder die Nichtduscher aus den bequemen Wohnzimmersesseln schälen und die Treppenstufen hoch quälen mussten, oder die Duschenden, mutig nackig oder verschämt in ein Handtuch gehüllt, schnell durchs Haus flitzten, um den Schaum von Haut und Haaren und vor Wut vor dem Mund, mit warmen Wasser fort zu spülen.

Die Mehrheit wartete stoisch ab, bis Variante zwei eintrat und lauerte bereits mit eingeschalteten Handykameras und Fotoapparaten, um die Generation Youtube teilhaben zu lassen. Soviel zum Thema „ein Freund, ein guter Freund“.

Ich hatte gerade mein Buch aufgeschlagen, als mir die Gemüsekiste einfiel, die wir am Vorabend vor den fanatischen Fleisch-verachtenden Frauen (sie waren alle vegan, ausgenommen von Schuhen) versteckt hatten, um etwas deftiges, zünftiges, herzhaftes zur Vesper zu haben, um quasi nicht vom Fleisch zu fallen. Männer brauchen das.

Es wurde Zeit, das biologische Kroppzeug vor dem Kältetod zu retten, schließlich hing davon langfristig die Laune der weiblichen Lauchstangenlutscher ab.
Paula stand mittlerweile unter der Dusche und ließ das Wasser unüberhörbar plätschern. Vor der Badtür überlegte ich kurz, ob es angebracht sei, anzuklopfen. Ich entschied mich dagegen und wollte eintreten, aber Paula hatte abgeschlossen. Ich klopfte. Paula: "Ich dusche!" - "Ich weiß. Mach auf!" - "Bist du bescheuert?" - "Mach jetzt auf. Wir sind alleine."

Endlich öffnete Paula die Türe. Sie hatte sich mit einem Handtuch bedeckt (Ursprünglich schrieb ich versehentlich, sie hatte sich mit einem Handbuch bedeckt. Das machen selbstverständlich nur Männer. Wie dumm von mir.). Ich staunte immer wieder über die weibliche Fähigkeit, sich innerhalb von Nanosekunden mit irgendwas zu verhüllen, wenn es darauf ankam. Eine Fertigkeit, die sich diametral zum standardmäßigen Ankleiden für z.B. eine Abendveranstaltung verhielt. (Zitat Paula: „Macht was ihr wollt, aber ich bin für mindestens vier Stunden nicht abkömmlich.“)
"Was willst du?"
"Ich habe dir was mitgebracht.", flötete ich durch mein süffisantes Grinsen und zauberte hinter meinem Rücken einen Zucchino vor, was Paula mit ihrem bezaubernd missbilligenden Blick quittierte.

Der unsterbliche Da Vinci wäre sogar in den Olymp aufgestiegen, hätte er neben Mona Lisas unergründlichem Lächeln auch Paulas zeitlose Angewidertheit auf eine Leinwand gebannt. Ein Blick zum Verlieben. Ich packte ein Kondom aus, stülpte es über den Zucchino und drückte ihr das gute Stück in die Hand. "Unter der Dusche?", grummelte sie. "Ja", gab ich zurück.

Paula ließ die Hüllen fallen (auch eine weibliche Kunst, sich im Bedarfsfall innerhalb von Nanosekunden zu entkleiden. Selbst gestandene Männer brauchen eine Sekunde für einen zweiverschlüssigen und zweieinhalb Sekunden für einen dreiösigen Büstenhalter) und huschte zurück unter den tropfenden Duschkopf, ohne die Kabinentüre zuzuziehen.

Sie öffnete den Wasserhahn und das dampfende Nass bahnte sich seinen Weg über ihren makellosen Körper, über Kurven und Grübchen, Linien und Konturen. Sie schloss die Augen, blendete mich aus und begann sich zu streicheln. Ich setzte mich auf die Toilette und schaute ihr zu.

Die Hingabe, mit der sie den Zucchino einseifte, weckte in mir unerfüllte Begehrlichkeiten. Genau deshalb hatte ich Monate zuvor gezögert, als sie mich zu ihrem privaten Zurschausteller und Voyeur machte. Es war wie mit dem Esel, dem man eine Möhre vor die Nase hing und er in Hoffnung, sie jemals zu erreichen, in einen immerwährenden Trab verfiel, schlimmstenfalls bis in den Tod.

Ich stellte mir vor, ihr grünes Spielzeug wäre fest mit mir verwachsen und hätte ein gesünderes Aussehen. Ich versuchte es mit Fremdfühlen, Telehaptik oder sonst was, um mich in den Zucchino hineinzuversetzen, fühlte, wie er zwischen Paulas Brüsten die weichen Rundungen spürte, wie er auf der Seifenlauge fast kontaktlos über ihren flachen Bauch huschte, erlebte das feinen Kratzen Paulas Flaum am Venushügel und das leise Erschrecken, als er unverhofft in der Dunkelheit ihrer Schenkel verschwand.

Ich sah, wie es im Wechsel Tag und Nacht, Nacht und Tag wurde, ließ ihre Wärme auf mich wirken, die bald durch ihre Reibung zur Hitze wurde. Noch nie hatte ich diesen verklärten Blick in Paulas Antlitz gesehen. Ich musste unbedingt ein Fotoalbum der Blicke anlegen. Es gab so viele Menschen, mit so vielen einzigartigen Ausdrücken, dass das Sammeln eine lohnende Angelegenheit wäre.

Sie steigerte das Tempo und begann in sich hinein zu stöhnen. Wahnsinn. Und dann kam, was kommen musste: Ich hörte die quietschende Eingangstüre der Hütte gehen.

Paula nicht. Das laufende Wasser hatte sich wie ein schützender Helm über ihre Ohren gelegt. Ihre Augen geschlossen, eine Hand auf ihrer Brust, die andere dirigierte das Gemüse. Ich, kurz vor meinem imaginären Höhepunkt, den „Point of no return“ (wussten sie, dass PORN ein Annagramm der Abkürzung von Point Of No Return ist?) schon lange überschritten, unfähig, eine klare Entscheidung zu treffen: Paula und mich vor einem Skandal retten oder gemeinsam einen Abflug machen.

Paulas Lippen bebten, ihre Beine zitterten, nur noch wenige Sekunden trennten sie von der Erlösung, vom Erreichen der Glückseligkeit. Jemand hämmerte wie wild mit einem Vorschlaghammer auf den Alarmknopf in meinem Kopf. Wenn ich jetzt nicht abbrach, würde ein ungeheures Unglück geschehen. Zwischen dem zischenden Wasser, dem Schmatzen der gurkenähnlichen Frucht einer bestimmten Kürbisart, Paulas Röcheln, meinem Seufzen, drang das Knarzen der Treppendielen. Jemand stieg zu uns hinauf. Langsam begann ich, mich auszuzählen, bis zu meinem finalen Knock Out. Zehn, neun, „Ich kann alles erklären.“, würde wohl nicht helfen, acht, sieben, „Es sieht anders aus, als du denkst.“, wohl auch nicht, sechs, ja, Sex war gut, das mochte ich, das wollte ich, fünf, „Ach, lass doch mal Fünfe gerade sein“, vier, drei, „Alle guten Dinge...“ oder wie wäre es mit einem Dreier, drei, zwei, eins - m...

Es gab einen lauten Knall, Paula schrie und polterte aus der Duschkabine, ich riss meine Hand aus der Hose und knallte dabei gegen den Spülkasten. Paula hatte mich inzwischen in ihrem Fallen erreicht und riss uns gemeinsam vom Toilettensitz zum Boden, was Paula zu einem erneuten Schrei animierte.
Atemlos lagen wir auf den eiskalten Fliesen. Ich unten, die klitschnasse Paula auf mir, mit funkelnden Augen, die zu meinem Spontantod geführt hätten, würden wir uns in einer Fantasywelt befinden.

„Paula?“, rief jemand von der Treppe. Es war niemand anderes, als mein lieber Freund Daniel, Paulas Lebensabschnittsgefährte.
„Daniel?“, rief Paula zurück, rappelte sich dabei hoch und drückte mir absichtlich unsanft ihr Knie in meine Weichteile, die im Moment glücklicherweise größtenteils nicht so weich waren und somit eine Menge der auftretenden kinetischen Energie vor dem wirklichen Schmerz- und Empfindungszentrum absorbierten.

„Daniel? Die Sicherung ist raus. Kannst du bitte?“, brüllte Paula absichtlich in mein Ohr und mir war, als würde ihr Geschrei am anderen Ohr Megaphon-mäßig wieder austreten. Die Schritte auf der Treppe hielten ein.
„Ist gut mein Schatz. Alles klar bei dir?“
„Ja, hab mich nur erschrocken. Kaltes Wasser. Du weißt?“
„Okay. Bin gleich wieder weg. Wollte nur noch einen Schal holen.“
„Danke! Hab dich lieb!“, rief Paula, die inzwischen wieder auf den Beinen war und die Gelegenheit nutzte, noch einmal zuzutreten. Ich schluckte den Schmerz und entschädigte mich mit einem Blick... aber Paula war innerhalb von Mikrosekunden schon wieder verhüllt.

by King Lube III. © 2011 King Lube III. / post@king-lube-iii.de

Alles über Paula

3
Mai
2011

Die Party ist vorbei

[Fieberhaft versuchte ich nach einer tödlichen Spritze zu greifen. Nur noch wenige Zentimeter trennten uns...]

Die Natur war mal wieder unpraktisch eingerichtet. Warum konnte man seine Finger nicht ein- und ausfahren, wie andere, nicht genannt werden wollende Körperteile? Über Millionen von Jahren muss es entsprechende Mutationen gegeben haben, die die Überlebenschancen wesentlich erhöhten. Weshalb war in diesem Fall nicht „Survival of the fittest“ von Erfolg gekrönt? Wieso setzt sich im Allgemeinen nicht Klasse, sondern das schnöde Mittelmaß durch?

Ich kämpfte um jeden weiteren Millimeter, während sich die Lederbänder immer tiefer in Haut und Fleisch einschnitten. Dann gab es einen Ruck und mein Mittelfinger berührte die glatte Oberfläche eines kalten Metallrohrs. Bingo. Der Rand des Rolltischs. Mit größer Anspannung und Konzentration zog ich den Wagen heran und dann ging auf einmal alles rasend schnell: Ich entwickelte tatsächlich die besagten übermenschlichen Kräfte und staunte, mit welcher Leichtigkeit ich das Objekt meiner Begierde dirigierte, bewegte und drehte und ...

... Schritte hallten durch den Flur. Schnelle Schritte, mindestens zwei Personen. Noch lag mein kleines Mordwerkzeug nicht in Reichweite und einen Moment verließ mich der Mut, denn was konnte ich schon mit einer minimalistischen Spielzeugwaffe gegen zwei ausgewachsene Männer ausrichten? Ich hatte das Schränkchen bereits über seine gesamte Längsseite an mir vorbei geschoben, aber ich musste ihn noch einmal drehen, wenn ich mein Ziel erreichen wollte.

Die Schritte kamen immer näher und uns trennten nur noch wenige Sekunden, bis sie mich erreichten und dann würde die tödliche Dosis statt in ihrem, in meinem Hals landen und alles war vergebens.
Ich hatte keine Ahnung wie ich es anstellte, aber tatsächlich drehte sich der Wagen mit einem durchdringenden Quietschen um weitere neunzig Grad, während zeitgleich die Geräusche auf dem Flur verstummten. Sie standen bereits vor meiner Tür, rätselten über den seltsam hohen, unangenehmen Ton, seiner Herkunft, seiner Ursache.

Hitzewellen spülten meinen Körper, meine Hände schwitzten, drohten vom glatten Metall abzugleiten. Da mein Kopf noch immer in der riesigen Klammer eingespannt war, ahnte ich mehr, als ich sah, wie die Türklinke sich langsam neigte, die Türe einen dünnen Spalt bildete und erregtes, leises Flüstern durchsickerte.

„Nun kommt schon rein und bringt es zu Ende.“, wollte ich brüllen, so sehr drängte meine Anspannung nach Erlösung, als ich die haarfeine Spitze der Spritze mit meinem kleinen Finger berührte. Eine dritte, entfernt klingende Stimme mischte sich in das Flüstern. Jemand rief über den Korridor. Mit einem Klicken versiegelte sich der Lauschspalt.

Etwas zu hastig und gierig fasste ich nach dem Plastikröhrchen, rutschte dabei ungeschickt ab und stieß es von mir weg. Ausgerechnet! Fiebrig rollte ich den Tisch weitere Zentimeter an mir vorbei. Erneute Schritte, laufende Schritte, erst leise, dann lauter. Ich spürte bereits die Aura der Giftes, den Hauch des Todes und dass mir nur noch wenige Millimeter fehlten. Alles begann sich um mich herum zu drehen. Ich war der Mittelpunkt der Welt und die Auflage rotierte, wie von Geisterhand, von alleine.

Das Klappern harter Absätze klang ab. Sechs Schuhe trippelten ungeduldig auf hartem Linoleum. Kurze Sätze, vereinzelte Wörter wurden ausgetauscht. „Lasst euch Zeit, haltet Smalltalk.“, betete ich.

Der Tonfall wurde lauter und auch durch die geschlossene Türe war die unangenehme, leichte Gereiztheit unüberhörbar. Die Nervosität und Hektik übertrug sich mühelos auf mein Nervenkostüm und zu meiner fliehenden Hitze, gesellte sich nervöses Flattern und Zittern. Und wenn sich nun alle negativen Schwingungen eines Körpers überlagern und aufsummieren, kann es passieren, dass die Eigenschwingung einen Menschen zum Platzen bringt. Ein Wort gab das andere. Widerworte, Gegenrede, Befehlston, Aggression, die Stimmen gewannen an Dynamik, Ausdrucksstärke, Gewaltbereitschaft.
Ein Handgemenge. Rufe.

Ein Ruf, der in mir Erinnerungen weckte, etwas Bekanntes und Vertrautes. Aber was? Was passierte vor meiner Schreckenskammer? War jemand zu meiner Rettung gekommen? Wurde ich vermisst und suchte man nach mir? Hatten Paula und Svenja die durchgefressene Wand gefunden? Ich schöpfte Hoffnung. Wenn dieser jemand nur laut genug um Hilfe schreien würde, wenn die Gäste aus der Disko hinausströmten, wie Doktor Hulk es prophezeit hatte, um sich seine Mixturen des Leids und der Glückseligkeiten abzuholen. Der Korridor war problemlos auf weite Sicht einsehbar, jeder, der vor den Tanzsaal trat, musste Vladi sehen, erkennen und begreifen. Ein lauter Schrei, und ich war gerettet.

Dann ertönte endlich das rettende Signal: "Hilfe!".
Die vertraute Stimme hatte es getan, sie schrie um die gottverdammte Hilfe, die ich so bitter nötig hatte. Ich war gerettet! Die Türe sprang auf und mit ihr Dr. Hulk hinein, hinter ihm eine mir wohlbekannte Person. Zuerst nur der Rücken, dann die Seite, sein Profil, nach vorne gebückt, langsam rückwärts schleichend, unverkennbar Svenjas Bruder. Hinter sich zog er eine leblos am Boden liegende Gestalt. Sie lag mit dem Gesicht nach unten Boden und Vladi zerrte unsanft an den Fußgelenken, dass das Antlitz über den Boden scheuerte. Ich litt mit.

Von der Statur, ein Mann, nicht Dimitrij, er hatte nicht seinen Papageienanzug an. Andere männlichen Personen aus diesem seltsamen Krankenhaus waren mir nicht bekannt und ich war frustriert, dass mich der vermeintlich vertraute Ruf getäuscht hatte. Ich kannte die Person definitiv nicht.

Dr. Hulk sah meine Hand und stürzte auf mich, um mir meinen letzten, mickrigen Trumpf zu entreißen. Ich ergab mich meinem trostlosen Schicksal und verschloss die Augen vor weiteren Ungemach. Stattdessen rückte er den rollbaren Gynäkologenstuhl, in dem ich gut verschnürt lag, in die Mitte, trat eine Kiste aus dem Fach unter mir und rief: "Schmeiß den Kerl hier rein, dann karren wir sie zusammen raus." Mit Ächzen und Stöhnen verfrachteten sie den ohnmächtigen (positives Denken) oder toten (realistisches Denken) Mann unter meine Sitzfläche.

„Vladi, altes Haus!“, rief ich aufgesetzt erstaunt, „Wir haben schon befürchtet, du schaffst es nicht mehr zu unserer Party! Wie geht es dir und wie geht es meiner Wohnung und vor allem, meinem Sofa?“
„Fresse halten.“, piepste der Arzt.
„Nicht doch.“, spottete ich, „Wer wird denn mit seinem frechen Mündchen dazwischen plappern, wenn sich zwei Erwachsene unterhalten?“
Ungebremst landete eine Faust in meinem Gesicht.
„Die Party ist vorbei.“ Vladis Tonfall beinhaltete eine Menge negativer Faktoren, wie Gereiztheit, Aggressivität und Ungeduld. Es war sofort klar, dass er nicht zu Späßen aufgelegt war.
„Du kleine Wanze wirst langsam lästig.“. fügte Vladi hinzu und an Hulk gewandt: „Bereite alles vor, wir verschwinden von hier.“

In erstaunlicher Ehrerbietung verneigte sich Hulk, der Vladi mindestens ein bis zwei Köpfe überragte, und bestätigte die erhaltene Anweisung.
„Ich nehme den Deutschen mit. Wo ist das Serum?“
Eilfertig griff Hulk nach einer weiteren Ampulle aus dem Regal, zog eine Spritze damit auf und reichte sie Vladi.

„Können wir nicht darüber reden?“ Mein letzter kläglicher Versuch mein Leben zu retten. „Bitte.“
Mit diabolischem Grinsen stach Vladi die Nadel in meine Vene und ich spürte, wie sich eine eiskalte Flüssigkeit durch meine Adern ausbreitete. „Leb wohl, schöne Welt.“, dachte ich noch. „Leb wohl, Paula. Leb wohl, Charlotte. Leb wohl, Svenja. Leb wohl,...“
Dann wurde es Nacht.

2
Mai
2011

...

[In der 36. Folge traf ich endlich wieder auf meine kleine Schwester Charlotte. Wir fielen uns in die Arme und ich wollte nie mehr vor ihr weichen. Nachdem ich ihr meine letzten fünf Jahre in allen Einzelheiten gebeichtet hatte, übermannte sie der Schlaf. Ich hatte nur noch einen Wunsch: sie zu retten. Ich eilte zu ihrem behandelnden Arzt, um eine Knochenmarktransplantation anzubieten. Beim Öffnen seines Sprechzimmers, wurde ich unverhofft ausgeknockt. Doktor Hulk freute sich über meine Wiederkehr und versprach mir zuerst einen schnellen Abgang, dann einen Überraschungsgast. Fieberhaft versuchte ich nach einer tödlichen Spritze zu greifen. Nur noch wenige Zentimeter trennten uns...]

29
Apr
2011

...

[In der 35. Folge geschah das Unfassbare: Mit einem Test-Freischalt-Code zauberte ich Mulch Diggums aus dem Nichts, der sich durch eine Wand fraß. Von Sehnsucht Charlotte zu sehen getrieben, flüchteten wir durch das Loch und über den Lüftungsschacht in eine Art Solarium, das in Wirklichkeit ein Orgasmium war. Angeblich konnte man sich via Gelkissen in kurzer Zeit einen galaktischen Orgasmus besorgen und danach hoch motiviert arbeiten.]

26
Apr
2011

...

[In der 33. Folge verließen mich Svenja und Paula. Paula, die nur ein bisschen Farbe am Leib trug, überzeugte Svenja sich auch einen neuen Anstrich verpassen zu lassen. Leider sperrten sie mich mit ihrem Abgang ein oder aus. Ich wollte die Gelegenheit zu einem Nickerchen nutzen und fand dabei einen Next-Generation-Nintendo, der mir Einblick in das Gebäude, in dem ich mich befand, gab, in 3D und Dolby-Surround. Dadurch kam ich auch Dimitrij wieder auf die Spur, in einem Kämmerchen.]

24
Apr
2011

...

[In der 32. Folge wärmte ich Svenja in einem Separee am Rande des Disko-Konferenzsaal. Sie erklärte mir die Zusammenhänge eines weltumspannenden globalen Unterbewusstseins und der Fähigkeit der Metadiebe und, dass die Begabung in den 50er Jahren in Obninsk, dem ersten zivilen russischen Kernkraftwerk wiederentdeckt wurde. Dann tauchte Paula auf.]

22
Apr
2011

...

Kapitel 28 erzählt vom zweiten Teil Svenjas Tagebuch.

[In der 29. Folge erschien kein King Kong. Das Implantat verhinderte das Materialisieren und ermöglichte es nicht, wie ich dachte. Dunkle Mächte wollten erfolglos diese Fähigkeit nutzen, bis sie Paula zufällig nackt im Karstadt sahen. Wir erreichten ein unterirdisches Krankenhaus und verteilten uns. Dimitrij schickte mich zur Intensivstation. Dort traf ich eine ausgemergelte, entkräftete, todkranke und schlafende Leukämie-Patientin, verkabelt mit High-Tech-Lebenserhaltungssystemen. Eine Frau, die ich fünf Jahre nicht mehr gesehen hatte und mehr liebte, als mein eigenes Leben: Charlotte, meine kleine Schwester.]
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Alle Geschichten von King Lube III. sind erstunken und erlogen, jedenfalls das Meiste oder das ein oder andere, also es gibt schon ein bisschen, das nicht ganz der Realität entspricht. Jedenfalls distanziert sich King Lube III. ausdrücklich von seinem Protagonisten und seinem fiesen Charakter. Mit so einem will er nichts zu tun haben. Mit der Bitte um Beachtung.

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