Schlechtestes Buch des Jahres - Die Flop 3
Kurz vor Toresschluss ist es raus: Die Flop drei Bücher 2010. Wobei ich den Spitzenreiter noch gar nicht ausgelesen habe, aber ich kann mit Fug und Recht behaupten, dieses Buch hat sie alle an die Wand gespielt. Schlimmer geht nimmer.
Das ärgerliche der Flop 3 ist, dass alle drei Bücher durchaus reizvolle Themen haben, die aber durch mangelhaftes schriftstellerisches Geschick in Grund und Boden zertrampelt wurden. Wirklich schade.
Wenn sie vorhaben eines dieser Bücher zu lesen, dann sollten sie jetzt nicht mehr weiterlesen, denn ich werde mitunter auch das Ende verraten.
Platz 3: John Katzenbach - Der Professor
Lieber John, gut gemeint, schlecht gereimt.
Adrian Thomas, pensionierter Psychologieprofessor, beobachtet die Entführung der 16jährigen Jennifer auf offener Straße und begibt sich auf ihre Suche. Adrian leidet unter eine schnell fortschreitende Demenz, die sich für mein Gefühl ein bisschen sehr schnell entwickelt. Während der Professor orientierungslos, von Halluzinationen in Form verstorbener Angehöriger (die ihm die entscheidenden Tipps geben) geplagt wird, erfährt der Leser, dass die entführte Jennifer Teil einer Web-Snuff-Porno-Inszenierung ist. Hier liegt die Stärke deines Buches, lieber John: Einblicke in die Psychologie der Täter und der Mittäter, die als Voyeure vor ihren Internetbrowsern hocken. Sehr schön. Dagegen nervt der Protagonist. Man will ihm nicht glauben, dass er jemals den Fall aufklären wird und die Anzahl der Zufälle ist zu hoch.

Q:Amazon
Niemanden interessiert die Geschichte des Professors, die als Nebenstrang erzählt wird, um das Buch zu füllen. Ich würde es komplett streichen. Auch die ermittelnde Detective Terri Collins ist völlig überflüssig. Es wäre ein unglaublich starkes Buch, hättest du dich auf "Nummer 4" (das Opfer Jennifer) und die Web-Seite "WHAT COMES NEXT" konzentriert und Jennifer die Möglichkeit gegeben, ihrem Martyrium zu entkommen. Dagegen rechne ich dir hoch an, dass du am Ende fast alle hast sterben lassen, somit bleibt uns eine Fortsetzung der Teams Adrian/Terri mit Sicherheit erspart. Vielleicht hast du es schon selbst gespürt, dass das nix war.
Platz 2: Michael Tietz – Rattentanz
Lieber Michael,
ich habe es schon ausführlich beschrieben. Braucht man eine unglaublich ausführliche Definition mit Beispielen vom Begriff „Klischee“, kann man sich ausgezeichnet in deinem Buch bedienen. Es trieft förmlich davon. Auch diesem Buch liegt ansich eine interessante Idee zu Grunde: was passiert, wenn es von heute auf morgen kein Wasser, kein Strom und somit mittelfristig auch keine Lebensmittel mehr gibt. Kaum zu glauben, aber schon nach wenigen Stunden herrscht Anarchie und Chaos: Überall in Deutschland beginnt das Plündern und Ausrauben und wir befinden uns mitten in einem Endzeitszenario.

Q:Amazon
Lieber Michael, die Presse sagt "Ein gut recherchierter, realitätsnaher Thriller aus Deutschland...". Dein Buch ist in etwa so gut recherchiert wie die Hitlertagebücher. Wie kann man sich nur so einen Bockmist zusammenschreiben, mir würden sich bei jedem Satz die Gedärme verkrampfen. Allerdings Respekt, den Mist auch noch über 800 Seiten platt zu walzen. Und schöne Grüße an deinen Pressefreund, der das Buch offensichtlich nicht gelesen hat.
Platz 1: Lars Keppler – Der Hypnotiseur
Lieber Lars,
ihr werdet schon einen guten Grund haben, euch hinter einem Pseudonym zu verstecken (Autoren sind das Ehepaar Ahndoril). Auch hier eine Idee, die gar nicht so übel ist: An zwei Orten in Gegend von Stockholm werden die zerstückelten Leichen einer Familie entdeckt. Einzig Überlebender ist der schwerverletzte Sohn. Die Vermutung liegt nahe, dass die ganze Familie ausgelöscht werden sollte. Der Kommissar Joona Linna erfährt, dass es noch eine weitere Schwester gibt. Um dem Mörder zuvorzukommen, lässt er den Jungen hypnotisieren, um eine Täterbeschreibung zu bekommen.
Ich will fairerweise zugeben, dass ich meine Schwierigkeiten mit Schweden-Krimis habe: ich finde sie fast ausnahmslos ziemlich mies. Wie bei den meisten anderen Schweden-Krimis ist mir das ganze Vorgehen nicht schlüssig. Vielleicht denken Schweden da anders, andererseits kann ich den Hype um Schwedenkrimis nicht verstehen. Ich mag durchaus das Land und die Leute und will mehr über das Leben der Schweden und Schwedinnen erfahren, aber die Herangehensweise einen Mordfall zu lösen ist mir suspekt und entstammt mehr dem Reich der Märchen.
Anstatt sich also auf den Aufenthaltsort der Schwester zu konzentrieren, den man bei der Recherche des Umfelds umgehend ermittelt hätte, hypnotisiert man den Jungen und hört Dinge, die man nicht wissen wollte. Wie schon bei Katzenbach erzählt ihr die völlig uninteressante und irrelevante Geschichte des Hypnotiseurs Erik Maria Bark, der mir ziemlich gestört scheint, ebenso seine gestörte Frau und sein gestörter Sohn. Auf jeder Seite dachte ich, schlimmer kann es nicht werden und ahnte, dass ich damit unrecht hatte.

Q:Amazon
Aus heiterem Himmel platzt plötzlich eine Hetzkampagne über Bark und seiner "menschenverachtenden" Verhörmethode herein. Kein Mensch weiß, wieso, weshalb, warum und wie überhaupt jemand davon erfuhr, aber ihr fahrt gleich alle Geschütze auf: Schlagzeilen in der Zeitung, im Radio und Fernsehen Diskussionen, die Justizministerin verurteilt das Vorgehen, ehemalige Kollegen distanzieren sich, Amnesty International schaltet sich sein, seinem Sohn wird in der Schule aufgelauert… Hallo? Geht es auch eine Nummer kleiner? Nach dem Gewitter, auf den folgenden zwanzig Seiten kein Wort mehr davon, stattdessen ein Streit der Eheleute Bark, nicht glaubwürdig, die Charaktere gespalten, verhalten sich mal so, mal so, niemals stringent.
Der so kompetente und angeblich „einfühlsame“ Kommissar Joona Linna ist unfähig jemanden zu vernehmen, weil er die grundlegendsten Dinge menschlicher Kommunikation nicht beherrscht, dafür entpuppt er sich plötzlich als Karate-Meister, etwas, was mich schon bei Wallander zur Weißglut brachte: Ich erinnere mich noch gerne an eine Szene, in der Wallander, der ziemlich unsportlich und dazu krank ist, nachts auf einem Acker einen ehemaligen KGB-Agenten, der als Auftragskiller arbeitete, jagt. Ich hätte kübelweise auf das Buch kotzen können. Dieser schwerfällige Sack, der kaum Luft zum Atmen bekam und der eiskalte Killer, der vor Wallander Angst hatte (hä??) und weglief. Realistischer wäre gewesen, der Killer hätte auf Wallander gewartet und ihm eine Kugel durch den Kopf gejagt. VERARSCHT EURE LESER NICHT!
Den Hypnotiseur habe ich noch nicht zu Ende gelesen, ich werde mich noch ein bisschen durchquälen und versuchen dem Buch eine humoristische Seite abzugewinnen. Für mich steht aber jetzt schon fest: Die absolut schlechteste Neuerscheinung in diesem Jahr. Hurra!
Das ärgerliche der Flop 3 ist, dass alle drei Bücher durchaus reizvolle Themen haben, die aber durch mangelhaftes schriftstellerisches Geschick in Grund und Boden zertrampelt wurden. Wirklich schade.
Wenn sie vorhaben eines dieser Bücher zu lesen, dann sollten sie jetzt nicht mehr weiterlesen, denn ich werde mitunter auch das Ende verraten.
Platz 3: John Katzenbach - Der Professor
Lieber John, gut gemeint, schlecht gereimt.
Adrian Thomas, pensionierter Psychologieprofessor, beobachtet die Entführung der 16jährigen Jennifer auf offener Straße und begibt sich auf ihre Suche. Adrian leidet unter eine schnell fortschreitende Demenz, die sich für mein Gefühl ein bisschen sehr schnell entwickelt. Während der Professor orientierungslos, von Halluzinationen in Form verstorbener Angehöriger (die ihm die entscheidenden Tipps geben) geplagt wird, erfährt der Leser, dass die entführte Jennifer Teil einer Web-Snuff-Porno-Inszenierung ist. Hier liegt die Stärke deines Buches, lieber John: Einblicke in die Psychologie der Täter und der Mittäter, die als Voyeure vor ihren Internetbrowsern hocken. Sehr schön. Dagegen nervt der Protagonist. Man will ihm nicht glauben, dass er jemals den Fall aufklären wird und die Anzahl der Zufälle ist zu hoch.

Q:Amazon
Niemanden interessiert die Geschichte des Professors, die als Nebenstrang erzählt wird, um das Buch zu füllen. Ich würde es komplett streichen. Auch die ermittelnde Detective Terri Collins ist völlig überflüssig. Es wäre ein unglaublich starkes Buch, hättest du dich auf "Nummer 4" (das Opfer Jennifer) und die Web-Seite "WHAT COMES NEXT" konzentriert und Jennifer die Möglichkeit gegeben, ihrem Martyrium zu entkommen. Dagegen rechne ich dir hoch an, dass du am Ende fast alle hast sterben lassen, somit bleibt uns eine Fortsetzung der Teams Adrian/Terri mit Sicherheit erspart. Vielleicht hast du es schon selbst gespürt, dass das nix war.
Platz 2: Michael Tietz – Rattentanz
Lieber Michael,
ich habe es schon ausführlich beschrieben. Braucht man eine unglaublich ausführliche Definition mit Beispielen vom Begriff „Klischee“, kann man sich ausgezeichnet in deinem Buch bedienen. Es trieft förmlich davon. Auch diesem Buch liegt ansich eine interessante Idee zu Grunde: was passiert, wenn es von heute auf morgen kein Wasser, kein Strom und somit mittelfristig auch keine Lebensmittel mehr gibt. Kaum zu glauben, aber schon nach wenigen Stunden herrscht Anarchie und Chaos: Überall in Deutschland beginnt das Plündern und Ausrauben und wir befinden uns mitten in einem Endzeitszenario.

Q:Amazon
Lieber Michael, die Presse sagt "Ein gut recherchierter, realitätsnaher Thriller aus Deutschland...". Dein Buch ist in etwa so gut recherchiert wie die Hitlertagebücher. Wie kann man sich nur so einen Bockmist zusammenschreiben, mir würden sich bei jedem Satz die Gedärme verkrampfen. Allerdings Respekt, den Mist auch noch über 800 Seiten platt zu walzen. Und schöne Grüße an deinen Pressefreund, der das Buch offensichtlich nicht gelesen hat.
Platz 1: Lars Keppler – Der Hypnotiseur
Lieber Lars,
ihr werdet schon einen guten Grund haben, euch hinter einem Pseudonym zu verstecken (Autoren sind das Ehepaar Ahndoril). Auch hier eine Idee, die gar nicht so übel ist: An zwei Orten in Gegend von Stockholm werden die zerstückelten Leichen einer Familie entdeckt. Einzig Überlebender ist der schwerverletzte Sohn. Die Vermutung liegt nahe, dass die ganze Familie ausgelöscht werden sollte. Der Kommissar Joona Linna erfährt, dass es noch eine weitere Schwester gibt. Um dem Mörder zuvorzukommen, lässt er den Jungen hypnotisieren, um eine Täterbeschreibung zu bekommen.
Ich will fairerweise zugeben, dass ich meine Schwierigkeiten mit Schweden-Krimis habe: ich finde sie fast ausnahmslos ziemlich mies. Wie bei den meisten anderen Schweden-Krimis ist mir das ganze Vorgehen nicht schlüssig. Vielleicht denken Schweden da anders, andererseits kann ich den Hype um Schwedenkrimis nicht verstehen. Ich mag durchaus das Land und die Leute und will mehr über das Leben der Schweden und Schwedinnen erfahren, aber die Herangehensweise einen Mordfall zu lösen ist mir suspekt und entstammt mehr dem Reich der Märchen.
Anstatt sich also auf den Aufenthaltsort der Schwester zu konzentrieren, den man bei der Recherche des Umfelds umgehend ermittelt hätte, hypnotisiert man den Jungen und hört Dinge, die man nicht wissen wollte. Wie schon bei Katzenbach erzählt ihr die völlig uninteressante und irrelevante Geschichte des Hypnotiseurs Erik Maria Bark, der mir ziemlich gestört scheint, ebenso seine gestörte Frau und sein gestörter Sohn. Auf jeder Seite dachte ich, schlimmer kann es nicht werden und ahnte, dass ich damit unrecht hatte.

Q:Amazon
Aus heiterem Himmel platzt plötzlich eine Hetzkampagne über Bark und seiner "menschenverachtenden" Verhörmethode herein. Kein Mensch weiß, wieso, weshalb, warum und wie überhaupt jemand davon erfuhr, aber ihr fahrt gleich alle Geschütze auf: Schlagzeilen in der Zeitung, im Radio und Fernsehen Diskussionen, die Justizministerin verurteilt das Vorgehen, ehemalige Kollegen distanzieren sich, Amnesty International schaltet sich sein, seinem Sohn wird in der Schule aufgelauert… Hallo? Geht es auch eine Nummer kleiner? Nach dem Gewitter, auf den folgenden zwanzig Seiten kein Wort mehr davon, stattdessen ein Streit der Eheleute Bark, nicht glaubwürdig, die Charaktere gespalten, verhalten sich mal so, mal so, niemals stringent.
Der so kompetente und angeblich „einfühlsame“ Kommissar Joona Linna ist unfähig jemanden zu vernehmen, weil er die grundlegendsten Dinge menschlicher Kommunikation nicht beherrscht, dafür entpuppt er sich plötzlich als Karate-Meister, etwas, was mich schon bei Wallander zur Weißglut brachte: Ich erinnere mich noch gerne an eine Szene, in der Wallander, der ziemlich unsportlich und dazu krank ist, nachts auf einem Acker einen ehemaligen KGB-Agenten, der als Auftragskiller arbeitete, jagt. Ich hätte kübelweise auf das Buch kotzen können. Dieser schwerfällige Sack, der kaum Luft zum Atmen bekam und der eiskalte Killer, der vor Wallander Angst hatte (hä??) und weglief. Realistischer wäre gewesen, der Killer hätte auf Wallander gewartet und ihm eine Kugel durch den Kopf gejagt. VERARSCHT EURE LESER NICHT!
Den Hypnotiseur habe ich noch nicht zu Ende gelesen, ich werde mich noch ein bisschen durchquälen und versuchen dem Buch eine humoristische Seite abzugewinnen. Für mich steht aber jetzt schon fest: Die absolut schlechteste Neuerscheinung in diesem Jahr. Hurra!
lube - 29. Dez, 10:52 - aus der Reihe: Schlechtestes Buch des Jahres - 392 - 1 Kommentar - Kommentar verfassen


















