(eine nicht so ganz ernstgemeinte rheinisch Attacke auf bayerische Urgebräuche)
Liebe bayerische Landsleute.
Wir haben unseren rheinischen Karneval, ihr euer voralpner Oktoberfest soweit, so gut. Wir mögen euer Oktoberfest nicht, ihr unseren Karneval nicht. Auch gut. Aber, was mir wirklich auf den Nerv geht, ist die Bespaßung ganz Deutschlands, in dem allerorten "Oktoberfest" proklamiert wird (sehen wir mal davon ab, dass das wenigste mit "Oktober" zu tun hat).
Plötzlich gibt es eine Schwemme weißblauer Rauten, wo man geht und steht. Welcher moderne Mensch hat freiwillig irgendeinen weißblaurautierten Gegenstand in seiner privaten Lebensumgebung? Als ich beim Bäcker auf das neue schmackhaft Brot zeige und die Verkäuferin fragt: "Das Wiesenbrot?", lehne ich angewidert ab. "Nein Danke." Überhaupt ist mir das traditionell kulinarische Angebot zu Wider. Das Bier geht gar nicht und Weißwürste verbieten sich schon rein optisch (fairerweise sei gesagt, dass auch die rheinische Flönz nicht mein Ding ist). Ob es nun der, die oder das Maß ist, ist mir im Übrigen sowas von scheißegal, dass ich diesbezügliche Belehrungen kategorisch ignoriere.
Außerdem sage noch einmal etwas gegen unsere Karnevalsmusik, die ist ja wenigstens noch lustig und mitunter selbstkritisch im Gegensatz zur bayerischen Humptatamusik. Wo wir schon mal gerade dabei sind, den bayerischen Dialekt find ich furchtbar und die Unfähigkeit auch in Notsituationen sich einem "Preußen" nicht verständlich machen zu können, bedenklich. Die Aussprache ist sehr energetisch und kraftvoll und beinhaltet eine latente Aggression, was mich als friedliebender Mensch per se abstößt. Noch was?
Ach ja. Dirndl. Traditionen und die Pflege von Brauchtum sind wichtig und das Bild der trachtentragenden Landbevölkerung ist stimmig, aber weshalb tragen alle Frauen auf dem Oktoberfest ein Dirndl? Da der überdimensionale Ausschnitt keinem funktionalen Zweck dient, soll er wohl eheanbahnend sein. Kann man auch gut bei der Landbevölkerung verstehen. Mann sieht sich ja nicht so oft ;) Bei der Stadtbevölkerung allerdings sieht es allerdings nur peinlich aus. Und an die Männer gewandt, die ihre Frauen zu Dirndl drängen, nötigen oder ermutigen: Was genau soll an einem Haufen gequetschtem Brustfleisch anregend sein? Ist noch nie jemanden aufgefallen, dass das aussieht wie, im wahrsten Sinne der Wortes, Arsch?
Gut, vielleicht ist die Voralpenrepublik ein Volk volle Po-Fetischisten, so mögen sie ihre Freude haben. Ich finde diese Fleischbeschau eklig. Ich bin nur froh, dass zeitgleich mit dem Oktoberfest auch die Vorweihnachtszeit beginnt, jedenfalls in den Supermärkten, da kann ich beherzt nach allerhand nicht-bayerischen Naschwerk greifen und so im Zuckerrausch vergessen....
lube - 23. Sep, 13:25 - aus der Reihe: furchtbare Einzelschicksale - 1234 -
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